Merowingerzeit
(ca. 400 – 750 n. Chr.)

Das Merowingische Gräberfeld von Zeuzleben
Die Sternstunde seiner langjährigen archäologischen Sammeltätigkeit und stetigen Suche nach Bodendenkmälern kam im Frühjahr 1983, als Fridolin Beßler den Bau einer Maschinenhalle auf seinem Anwesen „Sonnenhof" in Angriff nahm. Nach dem Abtragen der obersten Erdschichten kamen dunkle Verfärbungen zum Vorschein, die er als verfüllte Grabschächte deutete. Als kundiger Mitarbeiter beim Landesamt für Denkmalpflege informierte er die zuständige Dienststelle in Würzburg. In den beiden folgenden Jahren wurde dann das gesamte Areal systematisch untersucht, bis fast alle Grenzen eines frühgeschichtlichen Gräberfeldes erreicht waren. Rund 75 Grabanlagen wurden gezählt.  

Es muss so um das Jahr 530 gewesen sein, als sich eine wohlhabende Sippe, deren Urheimat möglicherweise das Harzvorland war mitsamt Gefolgschaft und Gesinde hier niederließ und eine Ansiedlung gründeten und der sie einen in diesen Breiten ungewöhnlichen Namen gaben: Zeuzleben (so die heutige Schreibweise). Auf „ - leben" enden viele Ortschaften in Thüringen und Sachsen. Auf dem gefundenen Friedhof bestatteten sie rund 70 bis 80 Jahre lang die Verstorbenen. Neben den überwiegend menschlichen Bestattungen wurden auch einige Tiergräber gezählt mit mindestens 15 Pferden und vier Hunden. Vermutlich ein ritueller Opferbrauch, denn fast alle Pferde waren enthauptet. Beim Grab Nummer 5 (blauer Kreis) fand man etwa 50 cm unterhalb eines Pferdes ein menschliches Skelett. 

Skizzen aus: Ludwig Wamser „Eine thüringisch-fränkische Adels- und Gefolgschaftsgrabanlage des 6./7. Jahrhunderts bei Zeuzleben“ 1984 
Aus der Reihe „Wegweiser zu vor- und frühgeschichtlichen Stätten Mainfrankens“ Heft 5 
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Den Verstorbenen hatte man reichhaltig Nahrungsmittel für das Totenmahl beigegeben, was durch die vielen vorgefundenen Tierknochen belegt ist. Im zentral gelegenen Hauptgrab muss eine herausragende Persönlichkeit bestattet worden sein. Man hatte die ca. fünfunddreißigjährige Frau auf dem Grund der etwa 5,20 x 3,20 Meter großen und 4,50 Meter tiefen Grabkammer auf einen vierrädrigen Wagen gebettet, der zuvor in rund vier Meter Tiefe montiert worden war. Hinter dem Wagen war das Geschirr des zugehörigen Pferdegespannes niedergelegt. Die Grube oberhalb der 1,60 m hohen Grabkammer war nicht wie üblich mit Erde zugeschüttet, sondern mit Holz verschalt und mit einem hüttenähnlichen Aufbau versehen, so dass der Raum zugänglich und vor Witterungseinflüssen geschützt war. Dieser Raum diente wahrscheinlich dem Totengedächtnis mit gemeinschaftlichem Speisen, woran vermutlich auch die Verstorbenen teilnehmen sollten. Anzumerken ist, dass fast alle Gräber beraubt waren. Kurze Zeit danach, nachdem der Begräbnisplatz um das Jahr 600 aufgelassen worden war, scheint er geplündert worden zu sein.

Die Fotos zeigen das Innere des "Fürstinnengrabes", das im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim in der Archäologischen Scheune maßstabsgerecht nachgebaut wurde.

Auf die Wand der Maschinenhalle, bei deren Bau die Gräber gefunden wurden, hat Fridolin Beßler zur Erinnerung von einer Künstlerin die Bilder einer merowingischen Frau und eines merowingischen Reiters malen lassen.